An die jungen Leute bei Occupy und in anderen Zusammenschlüssen auf allen Erdteilen und in unserem Europa:

Zur Jahreswende versammeln sich wieder alle Weltnachrichten in unserer Erinnerung. Die Medien bemühen sich, vom Jahr ein Nachrichtenbild zu zeichnen. Und ich stehe vor diesem Bild, wie manch Anderer auch etwas ratlos. Was ist los in dieser Welt? Was sind das für Menschen, die Täter, die Opfer und die Zuschauer? Wo stehe ich in diesem Bild? Stehe ich wirklich nur davor? Bin ich nur einer von diesen Zuschauern? Vielleicht bin ich aber auch Täter, weil ich unterlassen habe zu tun, was nötig gewesen wäre? Oder bin ich gar Opfer?

Ich glaube, ich bin von Allem etwas und doch bleibe ich auf dem Bild unsichtbar. Niemand bemerkt mich dort und doch gibt es die Vielen, die 99 %! Sie gehen für mich auf die Straße und rufen oder stehen dort für einen stillen Protest. Ich möchte in diesen letzten Stunden des Jahres gerade ihnen zumindest mit meinen Gedanken beistehen und sie ermuntern, weil sie jung sind und ihre Verantwortung spüren. Aber ich möchte ihnen auch hier in aller Offenheit „danke“ sagen! Ich bin stolz auf euch! Ihr helft mir, das Bild zu ertragen und Hoffnung zu spüren. So gehört ihr ganz bestimmt in dieses Bild vom Jahr. Vielleicht ist es der Hoffnungsstern, der über allem leuchtet. Der Stern, der auch in der Dunkelheit Orientierung bringt. Der hilft, von der Zukunft Besitz zu ergreifen.

99 % ist das Symbol für Freiheit, Solidarität und die Gleichheit in universellen Menschenrechten.

Ich wünsche uns allen ein gutes und hoffnungsvolles neues Jahr!

Gedanken zur Jahreswende

Das Leben ist keine Inszenierung! Es ist nicht das Zelt, in dem ein Stück aufgeführt wird. Etwas Fremdgedachtes, das einen Darsteller benötigt, ist das Leben nicht. Ich möchte meines auch nicht zu einer Aufführung werden lassen. Nein, ich will es führen, mein Leben. Und wenn es da einen Menschen gibt, mit dem ich es gemeinsam führen möchte, dann ist seines auch mein Leben und ich will das seine sein. Da soll auch nichts inszeniert sein, sondern wahrhaftig.

Die kleinen Inszenierungen, die es immer wieder gibt, sind die Rollen, der erwartet werden, von mir, von dir, von irgendwem. Warum nicht? Auch das gehört hinein in das Gesamtwerk, das dann ein „reiches“ Leben genannt sein will. Es sind viele Stücke, die auf die Bühne kommen und in denen man einmal Darsteller, einmal Regisseur, einmal Bühnenbildner, Autor und gelegentlich auch alles ist. Und manchmal sitzt man auch im Publikum und schaut sich staunend zu. Doch das alles macht es nicht aus – das Leben.

Vielleicht ist es der kleine Lichtpunkt im Universum, der aufblitzt und wieder verlöscht und eine Spur hinterlässt. Eine Spur in den Erinnerungen und wenn es gelingt, auch einen Samen. Aber auch das macht es nicht alleine aus. Seine Existenz ist vielleicht auch der Baustein in einem Sinn, dem es immer zustrebte, auch wenn er nicht erkannt sein kann.

Das Geheimnis des Lebens ist am Ende eine Ahnung, dass da etwas Großartiges stattfindet, was immer es auch sein mag und die Zuversicht, dass es sich uns erklären will.

Ich wünsche euch ein frohes neues Jahr mit täglich neuer Zuversicht.