2ter 1000-Seen-Marathon 2007

 

....und 7ter 1000-Seen-Marathon 2012

Beim Wesermarathon bin ich noch bei 80 km ausgestiegen, hier habe ich die Langstrecke mit 62 km dann gepackt, denn da gab es auch nur die Devise "ankommen oder aufgeben". Die Alternativstrecken von 42 km und 20 km hatten eine teilweise andere Streckenführung und starteten auch später.

62 km durch die Mecklenburgische Seenplatte sind auch schon etwas anderes als "nur" den Fluss hinab. 

 

In den Tagen davor gab es so manchen Sonnenuntergang mit Begleitung!

Aus der"Vorbereitungszeit" ein paar Bildchen. Wenn sich jemand erkennen sollte und das Bild gerne kostenlos in Orginalgröße möchte, reicht eine kurze E-Mail.

(Kanutin aus Hamburg auf Kurztour)

Ankunft

 

Der Bully brummt eine Nacht durch über die Autobahn. Irgendwo will ich eine Pause einlegen und ein paar Stunden schlafen, doch wie an einem unsichtbaren Faden gezogen fahre ich durch. An Berlin vorbei geht es weiter Richtung Norden dem großen Abenteuer des 1000-Seen-Landes entgegen. Nur der ausgedruckte Routenplaner vom ADAC sagt mir im schwachen Licht der Einstiegstüre gelegentlich welchen Weg ich nehmen soll. Trotzdem ist irgendwo zwischen Alleebäumen Schluss. Mitten in einem Dorf klopft es dann an die Fahrertüre, weil ich vor einer Kreuzung stehe und in einer viel zu ungenauen Karte den Weg suche - es ist mittlerweile 3.00 Uhr, aber der freundliche Nachtarbeiter beschreibt mir den Weg. An der Diemitzer Schleuse biege ich dann ab in den Wald. Sandboden, Löcher, Betonplatten vermitteln im Dunkeln den Eindruck, dass es jetzt hinein in die Wildnis geht. Es ist 4.00 Uhr, der Morgen dämmert herauf, eine kleine Mütze Schlaf, und als es hell wird stehe ich vor dem Biber-Camp.

Nach feundlichem Empfang ist schnell ein schöner Platz unter hohen Kiefern gefunden, und ich tauche ein in die Zauberwelt der 1000 Seen, die mich für die nächsten 4 bis 5 Wochen mit ihren Naturschönheiten beschenken und am Schluss nach der Teilnahme am 2ten 1000Seen-Marathon reich an Erlebnissen zurück in den Alltag entlassen wird.

 

Am Steg herrscht ein reges Kommen und Gehen der Wasserwanderer, die gleich nebenan ihre Zelte am späten Nachmittag aufbauen und am nächsten Mittag schon längst wieder unterwegs sind. Sie verlieren sich in der weiten Welt der 1000 Seen.

Der erste Abend klingt aus bei einer guten Flasche Wein von den ungarischen Freunden im fernen Cikó.

Nebenan prasselt ein Lagerfeuer empor.
Jetzt bin ich angekommen!

 

 

 

Mit der hereinbrechenden Dunkelheit wird es überall auf dem Platz rund um die Lagerfeuer so richtig gemütlich, und der Fotograf sieht sich verführt zu kleinen Lagerfeuerspielereien wie diesem hier:

Nach den Wanderstunden auf den Seen und Kanälen Entspannung

 

........bei Floßwanderern....

.... und Zeitungslesern.

Zivilisationsbegleitete Wildnis

 

Die nächsten Wochen ist dieser Camping-Platz für mich die Basisstation zur Entdeckung einer für mich neuen Welt. Natürlich kenne ich das Eine oder Andere von Theodor Fontane, natürlich habe ich aus Reiseempfehlungen Eindrücke gewonnen, doch ich habe keinen festen Plan, was ich so alles "abklappern" will. Ich will mich auf die Landschaft und die Menschen einlassen und mich treiben lassen. Die Natur mit den Sinnen aufnehmen und nicht dem Verstand das Steuer überlassen. Ohne Programm Zeit zu haben bringt mich der außerordentlichen Stimmung dieser Landschaft näher.

Bereits um die nächste Ecke auf dem Wasserweg wird man empfangen von einer ursprünglichen Natur, für die ich so den Begriff der "zivilisationsbegleiteten Wildnis" gefunden habe.

Jetzt aber bekomme ich erst einmal ganz anderen Besuch. Ein dumpfer Knall am Bully lässt mich aus meinen Träumereien aufschrecken, und hinter dem Bus liegt am Boden ein junger Greifvogel, in dessen Flugbahn wohl mein Bus vom Jäger übersehen wurde. Er breitet am Boden liegend die Flügel aus und schaut mich starr an, scheint aber nichts gebrochen zu haben. Um ihn nicht weiter zu beunruhigen gehe ich kurz in Deckung, und nach ein paar Minuten steht er wieder und gestattet mir ein Foto.

 

Ist es ein Mäusebussard, der sich da so quasi als Empfangskomitee bei mir eingefunden hatte? Es könnte auch ein Sperber (Habichtart) sein - oder!?

 

Nach ein paar Fotos verschwinde ich wieder hinter dem Bus, und als ich kurz darauf nachschaue ist er schon wieder in sein Revier zurückgekehrt.

 

Das Klopfen der Spechte über mir war allgegenwärtig und hallte mitunter laut über den Platz.

Später sah ich über dem Wasser auch den einen oder anderen Seeadler auf meinen Touren, doch keiner hat mich je wieder so direkt und einladend angeschaut.

 

Täglich neue Wasserwege entdecken und sich von der Natur verzaubern lassen, wo gelänge das besser als hier im Land der 1000 Seen?

Ist man so als "Binsenbummler" unterwegs, dann ergibt sich eine neue Perspektive. So relativ kurz über der Wasseroberfläche ist das eine neue Kleinheit, die den Blick öffnet in die Großartigkeit der Natur. So nenne ich diese Blicke hier "Schilfhimmel".

Es sind die stillen, friedvollen Begegnungen, die man erleben kann, wenn man sie auf sich zukommen lässt.

Irgendwann ist dann nicht mehr so klar, wer da wen beobachtet.

 

Man könnte es auch

"stilles Einvernehmen im Nonverbalen"

nennen.

Und immer wieder  geht es durch die Diemitzer Schleuse ...

..... in die grenzenlose Wasserlandschaft, in der Wasser, Land und Himmel miteinander verwachsen zu sein scheinen.

Ein besonderes Erlebnis sind jeden Abend die Sonnenuntergänge, die eine bewegte Landschaft in die nächtliche Stille eintauchen lassen. Nur das ans Ufer plätschernde Wasser erzählt noch eine Weile vom vergangenen Tag, bis es schließlich auch zur Ruhe kommt.
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Wanderungen

Aber auch zwischen den „Wassern“ wird man eingeladen zu langen Wanderungen im Kiefern-, Birken-, Buchen-, Erlen-, Eichenwald mit noch viel mehr Baumsorten. Belohnt wird der Wanderer mit reichlichen Pilzen, die von einer netten Dauercamperin durchgesehen werden.

Mein Jagdfieber auf Pilze ist geweckt. Angesichts einer leckern Pilzpfanne ist das auch kein Wunder.

Mit dem Fahrrad geht es zu Kronprinz Friedrich nach Schloss Rheinsberg, das sich verhüllt zeigt.

Überhaupt hilft mir mein Drahtesel, die nähere Umgebung zu erkunden. Eigentlich ist es ein steter Wettstreit zwischen Paddeln, Radeln und Wandern, der die Tage ausfüllt. So vergeht die Zeit viel zu schnell. Kurz vor dem Rennen verschlechtert sich das Wetter zusehends. Doch das große Ziel - der 1000-Seen-Marathon auf der Langstrecke mit 62 km - rückt täglich näher.

 

Trotzdem bleibt die Stimmung im Paddel-Lager entspannt!

So langsam kommt dann doch der letzte Abend auf dem Campingplatz, der gute drei Wochen als Basisstation diente.

Also ist "große Wäsche" angesagt.

 

Nino, der Platzwart, hat Waschmaschine und Waschmittel bereit. Der Wind hilft trocknen.

 

Derweil sorgt Nino mit seinem Traktorgespann für ausreichend Holznachschub, denn die Lagerfeuer auf seinem Campingplatz werden weiter brennen.

Man kann Nino auch mit seinen Großflößen als Kapitän buchen für traumhafte Touren in den grünen Seen.

 

Das Rennen

 

Für die letzte Woche ziehe ich mit Bully, Boot und Rad um ins Basis-Camp des 1000-Seen-Marathons. Noch steht mein Bully hier alleine, aber das wird sich in den nächsten Tagen schnell ändern.

Hier werden in den nächsten Tagen einige Hundert Kanutinnen und Kanuten erwartet, die auf den Halbmarathon-, Marathon- und der Langstrecke mit 62 km antreten werden werden beim

2ten 1000-Seen-Marathon.

Drei Strecken standen zur Auswahl: 20 km, 42 km und 62 km. Meine Meldung hatte ich schon im Frühjahr für die Langstrecke abgegeben.

 

"Langer Atem" nennt sich die Langstrecke. Das las sich in der Renn-Ausschreibung so:

 

Die 70 km Tour beginnt auch bei der Diemitzer Schleuse. Hier passieren Sie zuerst die Schleuse Richtung Westen, um so auf den Vilzsee zu gelangen.
Von hier fahren Sie immer Richtung Norden nach Mirow. Sie durchqueren den Mirower See und fahren weiter Richtung Norden an Granzow vorbei. Hier befindet sich eine Versorgungsstation. Dann fahren Sie über den Gr. Kotzower See, bis Sie zu dem Leppinsee kommen.

 

Von Zietlitz am Leppinsee nach Babke befindet sich ein langer Landtransport. Hier übernimmt die Kanustation Granzow den Personen- und Boottransport sowie die Versorgung.

 

Von Babke geht es auf die Havel in Richtung Süden weiter über den Jäthensee, Görtowsee und den Zierzsee. Hier stoßen Sie auf den großen Useriner See. Folgen Sie südlich bis zum Großen Labussee. Halten Sie sich östlich. Über Klein Quassow geht es weiter die Havel entlang auf den Woblitzsee Richtung Süden nach Wesenberg.

 

Kurz hinter der Wesenberger Schleuse befindet sich eine Versorgungsstation. Von hier fahren Sie die Ober-Havel-Wasserstraße über Ahrensberg, dem Wagnitzsee bis zum Ellenbogensee entlang. Hier müssen Sie sich süd-westlich halten, um über Strasen in den Pälitzsee nach Canow zu gelangen. Nach passieren der Canower Schleuse sind Sie nun auf dem Labussee kurz vor Biber-Tours. Hier liegt ein Floß zur Versorgung auf dem Wasser bereit. Halten Sie sich wieder westlich und Sie gelangen zu Biber-Tours an der Diemitzer Schleuse zurück.

Der Streckenverlauf in der Karte

 

Auf den Wasser sieht das dann doch nicht mehr ganz so übersichtlich aus. Aber gut, es sind ja noch andere unterwegs. Das gilt aber nur nach dem Start. Dann zieht sich das Feld auseinander. Hin und wieder ist man auch längere Strecken alleine auf den Seen unterwegs. Die Orientierung ist da eine nicht unerhebliche Anforderung. Aber das ist auch der besondere Reiz dieser Veranstaltung, die eben nicht nur Muskelkraft und mentale Stärke einfordert.

Das Rennen,  was eigentlich bereits Monate zuvor im Kopf begann, entwickelt hier am Platz seine eigene Dynamik. Das Camp füllt sich schnell mit Zelten und Booten. Alte Bekannte aus der Paddler-Szene tauschen Erfahrungen und Erinnerungen aus, neue - wie ich - finden Kontakt und bemühen sich ihre Anspannung zu verbergen. Am Abend findet ein fröhlicher Abend mit Musik, essen und trinken und allseitigem Hallo statt, doch schon früh verkrümeln sich viele in ihre Zelte, Wohnwagen und Busse. Für den Start wird alles zurecht gelegt, das Rennfieber steigt, doch irgendwann in der Nacht kommt dann doch der Schlaf.

 

Am Morgen folge ich dem Startschiff in die Diemitzer Schleuse.

Das Startfeld für den Langen Atem über die 62 km sammelt sich. Darunter auch eine Paddlerin mit der Startnummer 1, der ich im letzten Drittel des Marathons noch einmal begegnen werde.

Der Startschuss fällt. Das Wasser kocht von wirbelnden Paddeln. Jetzt ist keine Zeit mehr fürs Fotografieren. Schade eigentlich. Doch Bilder könnten nicht die fiebernde Erwartung wiedergeben, die in diesem Start liegt. Vor uns 20 km bis zur Landportage (siehe oben Streckenbeschreibung). Langsam zieht sich das Feld auseinander. "Profis" in Rennkajaks sind schnell weg, ambitionierte Paddler ebenfalls. Nach kanpp 2 Stunden bin ich aber auch da und nicht der Letzte.

Zeitnahme bei der Ankunft, Zeitnahme nach der Portage. Doch schon da werden sich die ersten Fehler einschleichen. Die Zeitnahmen bei diesem "Rennen" waren ein Problem, aber nicht meines.

 

Unterwegs treffe ich mit der "Startnummer 1" zusammen. Sie hat Probleme, paddelt ganz alleine und bedeutet mir, dass ich ruhig weiter paddeln solle, sie werde es schon schaffen. Natürlich wollen wir beide innerhalb der Richtzeit ankommen, um noch gewertet zu werden. Ist das aber das Wichtigste? Nein! Ich weiß, dass ich ankommen werde. In welcher Zeit ist mir nicht mehr so wichtig. Wichtig ist, dabei zu sein. So bleibe ich auch bei der freundlichen Paddlerin und bewundere ihr schönes Seekajak. Mein "Frachter" wirft eine dicke Bugwelle auf, ihr Kajak durchschneidet elegant die Wellen. Wir paddeln nebeneinander, helfen uns bei den Umtragestellen und kommen schließlich im Labussee an, wissend, dass wir die Richtzeit schaffen werden. So haben wir uns gegenseitig Mut gemacht und Kraft gespendet. Dafür werden wir mit einem wunderbaren Sonnenuntergang entlohnt, in den wir hinein und zum Ziel paddeln.

Da hinten, wo die Sonne untergeht endet der "Lange Atem" wieder vor der Diemitzer Schleuse. Wir richten es so ein, dass wir gemeinsam über die Ziellinie paddeln. Geschafft!

 

Die glückliche Siegerin!!

Der glückliche Sieger!

Wir hatten unsere kleinen inneren "Schweinehunde" besiegt. Es war ein schönes Erlebnis!

Der Abend fand uns im Camp beim Lagerfeuer wieder zusammen mit allen Paddlerinnen und Paddlern. Mir wurde eine ganz besondere Freude zu Teil. Mein jüngster Sohn Holger empfing mich. Er war über 500 km gefahren, um bei meinem kleinen Sieg dabei zu sein.

Ich war nur noch glücklich und bin es noch in der Erinnerung an den

1000-Seen-Marathon und "meine" Langstrecke über 62 km.

 (für jedes Lebensjahr 1 km)

 

7ter 1000-Seen-Marathon

Wir schreiben das Jahr 2012. Wieder habe ich am Marathon teilgenommen, diesmal auf der Halbmarathon-Strecke. Mit 2:32 Stunden und einer Umtragestelle eine für mich akzeptable Zeit.

Insgesamt war ich über einen Monat dort im 1000-Seen-Land. Das war eine wirklich gute Zeit. Ich will hier darüber berichten. Beginnen möchte ich mit einem Gedicht über die Lindenallee. Es ist eine Baumreihe auf der Biber-Zeltwiese an der Diemitzer Schleuse. Doch dazu später mehr.

Lindenallee
Unter der Linde
wie ich finde
sitzt es sich gut.

Die grünen Blätter
beim Sonnenwetter
sind besser als ein Hut.

Der letzte Sommertag
wie ich ihn mag
der will genossen sein.

Bunte Blätter fliegen
wo sich die Wipfel biegen
fällt der Herbstwind ein.

© Gerhard Falk

 

Bevor ich hier weiter vom 7ten 1000-Seen-Marathon schreibe, will ich ein paar Worte zur Sommertour 2012 verlieren.

(Fortsetzung folgt......)

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Wie die Welt aussieht hängt von der Perspektive ab, aus der heraus man sie betrachtet. © Gerhard Falk