Die Wikinger und Prof. Pinchas Lapide

 

Schleswig sehen und sofort wieder abreisen, das konnte nicht das Motto sein. Horst kommt mich besuchen, ich freue mich darauf. Wir wollten uns in Maasholm treffen, warum dort? Also rief ich nochmals an, dass wir uns am Freitag in Schleswig treffen wo ich beim SSC festgemacht habe.

 

Ein Tag in Schleswig ist angesagt. Nach Bummel durch die Innenstadt mit den unvermeidlichen Einkäufen esse ich zu Mittag zwei – oder waren es drei – Fischbrötchen. Danach lass ich mich von einer Frisörin verwöhnen, die mir von einer kleinen Barkasse erzählt, die ins Haddebyer Noor zum Wikinger Museum und den Grabungsstätten von Haithabu fährt. Ich heuere also auf der Barkasse an und überquere die Kleine Breite. Durch eine schmale Röhre, die eine Straße unterquert, geht es hinein ins Haddebyer Noor, das früher mit der Schlei verbunden war.

 

Das Museum mit alten Fundstücken aus der Wikingerzeit und einer Filmvorführung über die Ausgrabung eines Wikingerschiffes fesselt meine Aufmerksamkeit gute zwei Stunden. Die Landschaft rundherum ist herrlich. Sie strahlt in ihrem satten Grün eine friedliche Ruhe aus und lässt in der Phantasie die Wikinger heraufziehen, die ihre wallumkränzte Siedlung Haithabu ansteuern, einstmals der bedeutendste Siedlungsplatz Nordeuropas. Hier liefen die wichtigsten Fernhandelswege zusammen. An diesem Ort mit seiner internationalen Bevölkerung konnte die christliche Mission Fuß fassen. Heute noch umschließt ein mächtiger Halbkreiswall das ehemalige Siedlungsgebiet am Haddebyer Noor. Nach Westen erstreckt sich das eindrucksvolle Befestigungssystem des Danewerks. Seit 1900 haben archäologische Ausgrabungen in der Siedlung, an den Befestigungsanlagen und auf den Gräberfeldern stattgefunden, die mit der Bergung eines Wikingerschiffes und den Untersuchungen im Hafen in den Jahren 1979/80 vorläufig abgeschlossen wurden.

 

Vor dem Museum liegt der Nachbau eines kleinen Wikingerschiffes vor Anker. Vorbei zieht ein großes Kanu mit Jugendlichen, die über das Noor herbeigepaddelt kommen. Ich denke an Holger, der hier ein schönes Kanurevier entdecken könnte, was übrigens auch besonders für die Schlei bei Missunde gilt.

 

Zurück im Hafen besuche ich die Touristikinformation, und mir fällt ein Kulturkalender in die Hände, der für heute einen Vortrag von Prof. Dr. Pinchas Lapide in der St.-Paulus-Kirche zu dem Thema ankündigt: „Kann man seinen Feind lieben? – Mit einem Juden die Bergpredigt lesen.“ Die Teilnahme an der Veranstaltung war eine echte Bereicherung. Ich habe viele neue Erkenntnisse gewonnen. Auf dem Heimweg rufe ich Horst an und erkläre ihm, wie er mich in Schleswig findet. Mit den Gedanken, dass seine Fahrt hierher gut verlaufen möge, schlafe ich ein.

Nächstes Kapitel.

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Wie die Welt aussieht hängt von der Perspektive ab, aus der heraus man sie betrachtet. © Gerhard Falk