Ein Boot, Wind und Wellen und zwei Seebären

 

Wieder allein! Der Wind rauscht in den nahen Pappeln, und ich sitze wieder alleine in der Kajüte und schreibe beim Schein der Laterne. Das heißt, ich versuche die richtigen Worte zu finden für den bisher schönsten Tag meiner Ferien. Noch schmerzt der Abschied vor gut zwei Stunden von Horst, der jetzt wieder auf der Autobahn nach hause eilt.

 

Früh um 11.15 Uhr hieß es in Schleswig: Leinen los! Little Wonder und zwei Seebären stürzen sich bei herrlichem Sonnenschein in Wind und Wellen. Ich überlasse Horst die Pinne, der Little Wonder souverän über die Große Breite zur Missunder Enge führt. Unser Schiffchen läuft wie eine Eins. Es ist schön, nach langer Zeit alleine Horst an Bord zu haben. Ich freue mich daran, ihn zu beobachten, wie er das Schiff sicher in der Hand hat.

 

Durch die Missunder Enge darf ich das Schiff wieder übernehmen. „So ein lascher Wind ist nichts für mich“, meint der angehende Matrose. Als sich die Schlei nach Lindaunis hin wieder weit öffnet, und der Wind wieder zulegt, will Horst gerne wieder übernehmen. Gegen 16.00 Uhr rauschen wir durch die Klappbrücke, die sich immer 15 Minuten vor der vollen Stunde für kurze Zeit öffnet. Jetzt übernehme ich wieder das Ruder. Bei recht kräftigem Wind kreuzen wir 2 Stunden bis Arnis. Wir hängen einige Segler ab und schieben teilweise eine Lage, dass die Wanten fast im Wasser stehen. Little Wonder zeigt sich von ihrer besten Seite.

 

Horst und ich wachsen zu einem gut eingespielten Team zusammen. Es könnte für uns stundenlang so weiter gehen. Wir reden über den Atlantik, den Panamakanal, den Pazifischen Ozean und die Südsee. Wäre nicht der Hafen von Arnis dazwischen gekommen, so hätten wir glatt die Welt umsegelt.

 

Wehmütig vertäuen wir Little Wonder im Hafen und gehen zum Auto, mit dem ich Horst zurück nach Schleswig bringe.

 

Nach einem Abstecher beim beginnenden Laternenfest in Missunde kommen wir nach Schleswig zurück. Ein Essen in der Pizzeria beschließt den wohl schönsten Tag meiner Ferien. Horst übernimmt generös die Rechnung, was auch den dicken italienischen Wirt freut. Zum Abschied schließe ich Horst in die Arme und denke an die schönen Tage im vergangenen Jahr, die ich mit Horst und Holger hier oben verbracht hatte.

 

Es wird wieder eine unruhige Nacht werden, bis ich morgen früh weiß, dass er gut angekommen ist.

 

Jetzt denke ich immer mehr an die Rückkehr nach hause. So gerne ich auch in die Ferien gefahren bin, so gerne werde ich auch zurückkehren. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber jetzt habe ich wirklich richtiges Heimweh. Gleich mache ich noch einen kleinen Rundgang durch den Hafen, dann falle ich in meine Koje. Horst wird jetzt Hamburg schon hinter sich gelassen haben.

Nächstes Kapitel.

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Wie die Welt aussieht hängt von der Perspektive ab, aus der heraus man sie betrachtet. © Gerhard Falk