Landarzt und Seelachs

Nach stürmischer Nacht und einigen Tee mit Rum bin ich um 6.00 Uhr auf den Beinen. Nebel, Nebel in allen vier Himmelsrichtungen. Nur einige Möwen scheinen den Weg u kennen. Sie jagen, doch wie mir scheint auch eher lustlos, über den Masten im Hafen. Über die Brücke durch das Schilf finde ich die Toilette und anschließend wieder meine Koje, die mich noch warm empfängt. Erst gegen 11.00 Uhr verlässt mich der Schlaf, und ich genieße eine heiße Dusche. Auf Frühstück verzichte ich heute großzügig, es passt auch nicht mehr so richtig am Mittag.

Ohne weitere Beschwerden mache ich mich dennoch auf den Weg zum Landarzt. Ja, ihr hört richtig. Ich besuche zu Fuß den Lindau-Hof, wo die Fernsehserie „Der Landarzt“ gedreht wird. Die Treppe, eingefasst von zwei mächtigen alten Bäumen führt in ein schönes Fachwerkhaus. Leider hat der Landarzt heute keine Sprechstunde, und so wandere ich weiter in das nahe Lindau, wo mir im Dorfkrug ein vorzügliches Seelachsfilet von der jungen Wirtin serviert wird. Auf dem Weg zurück werde ich dank des vollen Bauches und der schwülen Gewitterluft immer schläfriger, so dass ich, beim Hafen angelangt, wieder auf meine Koje niedersinke, ohne jedoch den rechten Schlaf zu finden.

Ich zähle nach und nach die Sätze, die ich heute gesprochen habe und stelle fest, dass ich weit mehr „guten Tag“ und Moin, moin – den Plattdeutschen Gruß für jede Tages- und Nachtzeit – von mir gab, als dass ich mich darüber hinaus anderen mitteilte. Jetzt am Abend ist es fast windstill. Ich werde früh schlafen und ebenso früh morgen aufbrechen. Vielleicht nach Missunde, vielleicht nach Maasholm der Ostsee entgegen.

Nächstes Kapitel.

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Wie die Welt aussieht hängt von der Perspektive ab, aus der heraus man sie betrachtet. © Gerhard Falk