Marine, Seeprise und Sauerfleisch

Gestern Abend erhielt ich telefonisch von Irene eine erfreuliche Nachricht: Horst kommt zur Marine nach Kappeln-Ellenberg. Ich freue mich mit ihm und setze in Maasholm zur Feier dieses Ereignisses die Nationale im Masttop. Holger ist mit seinem Kanu gut in Kassel angekommen, die zweite gute Nachricht. Ich gehe beruhigt schlafen. Nach einem Landgang in Kappeln verließ ich morgens den Hafen und passierte die Drehbrücke bei Kappeln. Zuvor hatte natürlich meine Entenfamilie nach dem Frühstück ihren Anteil erhalten, zu wenig, wie sie mir mit lautstarkem Geschnatter zu verstehen gaben.

Bei herrlichem Sonnenschein rauscht Little Wonder unter vollen Segeln vor dem Wind die Schlei hinunter. Eine Rethana hat alle Mühe mitzuhalten. Vor Maasholm weht eine frische Brise, und ich muss ganz schön zupacken beim Niederholen des Großsegels.

 

Im Hafen finde ich ein schönes sonniges Plätzchen im hinteren Ende. Waschtag! Zwei T-Shirts flattern über dem Vorschiff. Wie vor Jahren treffe ich zwei Mädchen mit ihrer Jolle, einem Pirat, denen ich beim Anlegen behilflich sein kann. Im Hafenimbiss gönne ich mir eine Portion Sauerfleisch mit Bratkartoffeln. In die Originalkneipe für Sauerfleisch schaffe ich es wegen des einsetzenden Regenschauers nicht mehr.

Der Hafen Maasholm hat ein anderes Flair als die übrigen Schleihäfen. Er riech mehr nach See. Die Schiffe sind größer, und es herrscht ein reges Treiben. Die Ostsee liegt vor der Tür. Verlockend und groß für Little Wonder. Wir warten jetzt auf günstiges Wetter. Für morgen ist kräftig auffrischender Südwest angesagt. Ich werde wohl noch abwarten und mal bis Schleimünde schnuppern. Segler leben mit dem Wetter, besonders auf kleinen Schiffen, wie es meines ist. Little Wonder und ich verstehen uns immer besser. Ich höre, wenn sie in einer kräftigen Böe ächzt und stöhnt, und ich mache es ihr dann leichter.

Bleibt noch nachzutragen, dass mir auf dem Weg nach Maasholm Matrosen aus Kappeln in einem Kutter begegneten, die kräftig pullend sich schleiaufwärts quälten. Die Ruderschläge waren noch recht ungleichmäßig, sicher Jungens in der Grundausbildung. Wenig später rauschten fröhlich grinsend Matrosen in einem dieselgetriebenen Kutter an mir vorüber; die höheren Semester. Unwillkürlich sah ich Horst dort sitzend. Zufall, dass er nach Kappeln kommt? Mit vielen Gedanken an zuhause schreibe ich meine ersten Postkarten.

Nächstes Kapitel. 

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Wie die Welt aussieht hängt von der Perspektive ab, aus der heraus man sie betrachtet. © Gerhard Falk