An dieser Stelle stehen  -  meist im Wechsel   -  einige meiner Gedichte.......

Guten Morgen

Trübes Licht am Sommermorgen
Regen der nicht enden will
Sonne hält sich kühl verborgen
Draußen ist es peinlich still

Doch die Schnecke dort im Gras
Ruft mir zu: Ich liebe das!
Soll ich ihr jetzt böse sein?
Roll mich in die Decke ein

Träum von heißen Sonnentagen
Will euch „Guten Morgen“ sagen!


*

Sturm

Die Nordsee stürmt
Manches Schiff bleibt jetzt im Hafen
Die Möwe aber spielt im Wind
Wellen brausend aufgetürmt
Lassen mich nicht länger schlafen
Bin aufs Fliegen eingestimmt
Fliege mit ihr aus der Zeit
Sie rief mich in den Sturm
Fliegt nun meine Enge weit

*

Abgebügelt

Ich habe ganz ungezügelt – gebügelt!
Bis ich in Dampf und Hitze – schwitze!
Habe mit meiner Macht – plattgemacht!
Macht mir schon in der Frühe – Mühe!
Bin abends, wenn alles vor mir zittert – zerknittert!

Nachts sehe ich dann ein,
auch Falten müssen sein!

*

Zeitlos in der Zeit

Im süßen Schlummer liegt der Morgen
Und schüchtern ist das Licht
Nichts will mich da besorgen
Bis dass der Tag anbricht

Für diese Stunde will ich leben
In der befriedet ist die Zeit
Wo gute Geister stille weben
Hinein in eine Ewigkeit

*

Helgoland

Auf meiner Insel lebt die Welt
Hier ins Meer ist sie gestellt
Ein roter Felsen mit grünem Land
Und in der Sonne weißem Strand

Mein müdes Herz lernt wieder fliegen
Steigt mit den Möwen hoch hinauf
Wird alle Düsternis besiegen
Lässt frohem Leben leichten Lauf


*

Mein Land lässt mich nicht schlafen

Es hat sich in mein Land gefressen,
das faulige Gefühl von Hilflosigkeit.
Wir hatten die Zukunft schon besessen,
jetzt fallen wir in die Vergangenheit.

Was ist aus meinem Land geworden,
das so viel Hoffnung in sich trug?
Der Staat schützt nachts das Bäume morden
und übt am Tage den Betrug.

Schämt ihr euch nicht, ihr Volksvertreter,
was ihr da alles geschehen lasst?
Mit Wissen werdet ihr zum Täter,
dass euch das Volk bald nur noch hasst.

Doch fühlt euch nicht zu sicher in den Sesseln,
der Krug nicht erst am Brunnen bricht.
Der Mensch erträgt auch keine neuen Fesseln,
schon morgen steht ihr vor Gericht.

*

 

Betrachtung einer Elefantensilhouette

Der Elefant vorm Abendrot,
der frisst sein Gras und ich mein Brot.

Der Elefant vorm Morgenrot,
frisst weiter Gras und ich mein Brot.

Der Elefant als Silhouette
von mir das Brot auch gerne hätte.

Doch das bekommt er nur im Zoo,
da bleibt er lieber anderswo.
*

Geliebte Bücher

Am Anfang war das Wort,
das meinen Tag begrüßte.
Der Mutterschoß mein Hort,
den flüsternd sie versüßte.

Getauft ward ich in seinem Namen,
die Heilige Schrift lag aufgeschlagen.
Und alle, die zum Feste kamen,
wollten mich auf Händen tragen.

Im Stammbuch steht geschrieben:
der Tag, der Name und die Herkunft.
Doch sind es Namen nur geblieben,
noch kein Gedanke für die Zukunft.

Das erste Buch in meiner Hand
lebte mit bunten Bilderfarben.
Es las mein Herz, nicht der Verstand,
und hinterließ auch keine Narben.

Buchstabe an Buchstabe gereiht,
Wort an Wort macht einen Sinn.
Der Gedanke sich für mich befreit,
führt mich zur Welt - Gott weiß wohin.

Aus den Büchern am Weg des Lebens
nähren sich Gefühle und Gedanken.
Kein Wort steht da je vergebens,
sie wachsen weiter wie wilde Ranken.

Das eigne Buch stell ich hinzu,
soll seinen Duft verbreiten.
Noch gebe ich hier keine Ruh,
das Ende kommt beizeiten.

In deinem Buch, mein lieber Heiland,
da steht mein Leben aufgeschrieben.
Du hältst es fest in deiner Hand,
das will ich dann als letztes lieben.


*

Herbst

Kühle Nebel ziehen durchs Land,
brauner Acker dampft im Morgen,
Sonnenblumen, die ich fand,
leuchten über allen Sorgen.

Noch einmal wird es warm in mir,
will in die Lüfte steigen,
bevor sich öffnet die letzte Tür,
und sich die Blüten neigen.

Warme Farben glühen auf,
Blätter tanzen wild im Wind,
doch die Wege, die ich lauf,
oft begangen sind.

Die Silberfäden in den Zweigen,
der Keimling, der sich noch versteckt,
werden mir freundlich zeigen,
was mich heute noch erschreckt.

*

Zusagen

Friede sei in deinem Herzen,
Liebe für die ganze Welt,
lässt dich dulden alle Schmerzen,
schenkt dir Kraft, die dich erhält.

Hoffnung auf die gute Wende,
Achtung stets vor Gottes Plan,
lenkt die Arbeit deiner Hände,
führt dich an dein Ziel heran.

Dankbarkeit für solches Leben,
Vertrauen in die Ewigkeit,
bindet dich in Gottes Weben,
macht dich für den Weg bereit. 

*

Die Lofoten

Es freut sich die Lofotenfrau
jedes Jahr auf Kabeljau.
Der sieht das nicht so heiter,
schwimmt lieber einfach weiter.
Ich aber bin kein Kabeljau,
freu mich auf die Lofotenfrau.

*

Gewissen

Morgens der Tag mit frischen Brötchen beginnt.
Irgendwo auf der Welt verhungert jetzt ein Kind.

Beim Weg in die Stadt die Zeit im Stau verrinnt.
Irgendwo auf der Welt verhungert jetzt ein Kind.

Börsennachrichten zur vollen Stunde wichtig sind.
Irgendwo auf der Welt verhungert jetzt ein Kind.

Globalisierungsrendite den Wohlstand uns bringt.
Irgendwo auf der Welt verhungert jetzt ein Kind.

Im Einkaufszentrum fröhliche Kaufmusik klingt.
Irgendwo auf der Welt verhungert jetzt ein Kind.

Der Minister mit Lobbyisten um Interessen ringt.
Irgendwo auf der Welt verhungert jetzt ein Kind.

Wie lebt man in Sicherheit lang und gesünder?
Doch um uns herum, verhungern doch Kinder!

*
Traumsterben


Es ist der ganze Lebenslauf
ein stetiges Bergab-Bergauf.
Rennen, rasen – nichts versäumen,
von der großen Liebe träumen.

Auf der Überholspur leben,
den Gewinnen gilt das Streben.
Keine Chance je versäumen,
von der großen Liebe träumen.

Der Turm wächst himmelhoch empor.
Dort wo die Liebe stets erfror.
Da unten sterben Bäume.
Da unten sterben Träume.

*

Zeit

Hab keine Zeit,
hört man sagen.
Hab keine Zeit,
hört man klagen.
Die Zeit ist hier,
nimm sie dir.
In der Ewigkeit
gibt’s keine Zeit.

*

Dichterworte

Es schwebt des Dichters Wort über dem Gewässer,
der eine kann das gut, der andre eben besser.
Der eine liebt die Lyrik, der andre lobt die Prosa,
die Leserin im Bette, die find sich schön in rosa.
Es liegt des Dichters Wort wohl neben manchem Bette,
ob es da was zum Schweben bringt verbirgt diskret die Decke. 


*

Depressionen

Es ist so traurig um mich her,
es drückt mich ganz tief drinnen.
Mein Kopf, der ist gedankenschwer,
es gibt wohl kein Entrinnen.

Und weiter, weiter sink ich hinab
im Strudel kreisender Gedanken.
Sie ziehen schon wieder tief zum Grab,
kein Licht, kein Halt und keine Schranken.

Es wehret sich alles, doch gibt’s kein Halten.
Die Mächte sie wachsen ohn Unterlass.
Wo soll die Hoffnung sich entfalten?
Es bleibt dem Ich nur noch der Hass.

Da bricht es heraus das Ungetüm,
lacht höhnisch und siegreich zugleich
und greift mit teuflisch Ungestüm
nach meinem Ich – erricht’ sein Reich.

Und wie ich auch kämpfe und ringe,
das Andre, das soll ich jetzt sein.
Um mich herum geschehen die Dinge,
ich tu sie, ich wehre und kann nicht schrein.

Wer hilft mir aus dieser fremden Welt?
Wer hört mein verzweifeltes Rufen?
In schreckliche Tiefen jetzt alles fällt,
die Treppe nach oben hat keine Stufen.

Irgendwann, irgendwie bin neu ich gebunden.
Spüre die Hand, entrinn dem Strudel zum Licht.
Aus haltlosem Taumel den Boden gefunden,
mit Hoffnung zum Leben der Tag anbricht.

*

Denken und Handeln

Der gute Gedanke ist es,
der uns über den Tag hebt.
Die gute Tat alleine sei es,
die versucht sein will!

*

Horizonte

Ich schau aufs Meer ins weite Rund
und fühl mich ganz verlassen.
Sie steht vor mir die letzte Stund,
ich spür’ sie nach mir fassen.

Lebensblumen blühten lange schon,
Herbstblätter sind verweht.
Zum fernen Horizont sind sie davon
wo nichts mehr weiter geht.

Die Möwe im Wind sie schaut nach mir,
hat mich wohl längst erkannt.
Sie ruft mir zu „Ich bleib’ bei dir!“
führt mich nun fort vom Land.

Ich schau aufs Meer ins weite Rund
und höre die Wellen rauschen.
Will ihrem Lied zur letzten Stund
noch eine Weile lauschen.



*

Quälgeister

Du böses kleines Mückentier,
nach deinem Leben tracht ich dir.
Ich werde dich jetzt jagen
und gnadenlos erschlagen.
Gegen dich sind die Vampire
harmlose Flattertiere.
Wie schön wäre die Sommernacht
hätt’ ich euch alle umgebracht.
Statt solcher Mordgelüste
für’s Bett ich bessres wüsste.
Doch werd ich jetzt zum Täter,
das andre vielleicht später!

*

Vom Schreiben

Schreibe gern’ aus Eitelkeit
Worte vor mich hin.
Bin stets auch hocherfreut,
wenn ich bewundert bin.

Schreibe über Zorn und Zeit
weil ich so wütend bin.
Bin es oftmals aber leid,
denn macht es einen Sinn?

Schreibe über die Gefühle,
Liebes- und andre Schwüre.
Bin gerne Insel im Gewühle
und öffne dir die Türe.

Schreibe, um darin zu leben,
was da vor mir steht.
Eingebunden so im Weben,
hoffe, dass es weitergeht.

Schreibe gerne mich zum Ende,
weil ich oft auch müde bin.
Hoffe dann auf treue Hände,
und einen neuen Sinn.

Geschrieben als Gedicht,
bleibt auch ein kleiner Wicht.

*

Alle Gedichte Copyright by Gerhard Falk.

Weitere findet man in der Printversion.

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Wie die Welt aussieht hängt von der Perspektive ab, aus der heraus man sie betrachtet. © Gerhard Falk