Wir schaffen das!

Wir schaffen das!

 

Die Alternative müsste uns alle erschrecken. Wir scheitern! Können wir das wollen? Eine wichtige Frage in diesem Zusammenhang ist natürlich, was es denn gilt zu schaffen. Das ist eine Frage der Perspektive. Ist sie auf den nächsten Schritt gerichtet oder auf ein Ziel? Und wenn es dann ein Ziel sein soll, wo finden wir es? Schritte ohne ein wirkliches Ziel sind sinnlos und gefährlich.  Da fällt mir ein, dass es einmal diese schöne Anekdote gab, die man den sozialistischen Machthabern im Osten zuschrieben: „Wie stehen an einem Abgrund, aber nun machen wir einen entschlossenen Schritt vorwärts!“ Jeder erkennt, dass das zum Absturz führen wird. Man belächelt sie, weil man nicht selbst betroffen ist.

 

Heute stellt sich diese Situation ähnlich. Nur diesmal sind wir alle dabei. Für eine öffentliche Meinung ist die Rolle der Medien nicht ganz unwichtig. Sie befördern einen Mainstream oder sie stellen Warnsignale auf. Wie sehen solche „Warnsignale“ aus? Es sind die Fragen, die öffentlich gestellt werden müssen. Schauen sie nur bis zum Tellerrand oder weisen sie darüber hinaus? Verengen sie den Blick auf die Fußspitzen oder öffnen sie ihn für den Weg?

 

Ein Problem der Demokratie ist die kurzfristigen Wahlperioden und den Fokus auf einen Erfolg. Das reduziert oft die Perspektive auf die aktuelle öffentliche Meinung. Die aber wird ganz wesentlich durch die Journalisten geprägt. Welche Fragen stellt der Journalismus? Zunächst jene, die dem Mainstream entsprechen, weil die Einschaltquoten und die Auflage das eigene wirtschaftliche Interesse sind – ein kurzfristiges. Einige Wenige sehen ihre Aufgabe darin, die langfristigen Zusammenhänge aufzuzeigen. Und so fallen dann auch ihre Fragen aus. Wohin führt uns das alles? Was haben wir zu erwarten und warum?

 

Ein gutes Beispiel ist die sog. Flüchtlingskrise. An den Fußspitzen sehen wir die „Flüchtlingswelle“, den „Flüchtlingsstrom“. Doch in der Ferne könnten wir sehen, was da wirklich auf uns zukommt. Es wird unsere Welt verändern! Noch gibt es keinen rechtlich eingeordneten Namen für sie: die Klimaflüchtlinge! Dagegen werden sich alle jetzigen Zahlen eher harmlos ausmachen. Wo wir zurzeit glauben, dass nationale Grenzen eine Bedeutung haben könnten, werden wir erkennen müssen, dass sie eigentlich bedeutungslos sein werden. Wir werden vermutlich auch selbst betroffen sein und überlegen, wie wir retten können, was zu retten ist. Plötzlich werden wir spüren, dass auch wir Solidarität benötigen. Wo finden wir sie dann?

 

Es gilt also bereits heute, die richtigen Fragen zu stellen. Unsere kleinkarierte Unterscheidung von Asylsuchenden und Wirtschaftsflüchtigen wird uns dann lächerlich vorkommen. Es wird uns auch nicht helfen, dann nach den Schuldigen zu suchen. Wir müssen an den Fragen des gemeinsamen Überlebens arbeiten.

 

Wenn wir dann sagen werden: „Wir schaffen das!“, dann werden wir es nicht mehr in Frage stellen, sondern wissen, dass wir es auch wollen.

 

Ich würde mir wünschen, dass unsere Journalisten über alle Kurzfristigkeit der modernen Zeit solche Fragen stellen. Wer sonst sollte es tun?

 

Wir schaffen das, weil es dazu keine Alternative gibt!

 

Zwischenruf

Reden wir nicht davon, wozu Europa fähig oder unfähig wäre. Europa ist mehr als ein paar Politiker! Europa, das sind vor allen Dingen die Menschen. Wozu sie in der Lage sind, das haben sie in Deutschland gezeigt, und man nennt sie heute: Die Ehrenamtlichen!

 

Obergrenzen? Das ist so ähnlich, als würde die Feuerwehr bei fünf Bränden ausrücken und löschen und beim sechsten Brand täte sie nichts und schaute nur zu wie Menschen im Haus verbrennen. Das wird nicht gehen. Und alle wissen das. Sie sind aber unfähig, den Menschen das zu sagen, weil sie nur die Stimmzettel im Kopf haben.

 

Die Probleme der Welt sind an den Grenzen Europas und einer westlichen Welt angekommen, der jetzt eine Rechnung präsentiert wird für Ausbeutung, Gier und Eigennutz. Pharisäerhaft hantieren sie mit ihren Werten und verbergen ihr wahres Gesicht, das sich als kapitalistische Fratze zeigen würde. Immer mehr Menschen „draußen im Lande“ wird dies bewusst. Sie spüren instinktiv, dass sie sich nun ehrlich machen müssen. Mauern werden sie nicht ruhig schlafen lassen, denn es bleibt ihnen nicht verborgen, was sich jenseits solcher Mauern abspielt. Auch dafür tragen sie Verantwortung!

 

Immer mehr Menschen erkennen, dass Mauern und Zäune eine Pseudosicherheit sein werden. Entgrenzte Marktwirtschaft im globalen Maßstab ist ein Sprengsatz, dessen Zündschnur immer kürzer wird. Der Wohlstand Weniger, der das Unheil für eine Mehrheit bewirkt und in Kauf nimmt, wird dazu führen, dass langfristig die Zukunft der Menschheit verspielt wird. Nie ist das so deutlich geworden wie in diesen Tagen.

 

Verantwortbar ist nur eine Politik, die sich an den Überlebenszielen der Menschheit orientiert. Anders als in früheren Epochen wissen in einer digital vernetzten Welt das nun alle Menschen. Sie werden sich nicht aufhalten lassen!

 

 


(23.01.16)

Der Feind in uns....

Natürlich bin ich ein Träumer und total naiv. Ich kenne nicht die komplizierten Zusammenhänge, die wirklich große Denker schon immer durchschaut haben. Deshalb ist die Welt auch so wie sie ist. Sie kann ganz einfach nicht anders sein, weil die Feinde das nicht zulassen. Man sollte sie hinwegfegen mit aller Macht. Endlich sollte man die eigene Macht gewinnen lassen, abschließend und total.

Wir sind ganz einfach nun mal die aufgeklärten Guten. Die Demokratie und die Menschenrechte haben wir zwar nicht erfunden, aber unterschrieben haben wir sie doch?

 

Natürlich ist es ganz normal, dass Reiche immer reicher und Arme immer ärmer werden. Es ist auch durchaus normal, dass wir die Welt ausbeuten und das Ressourcensicherung nennen. Da paktiert man schon mal mit der Korruption, ganz normal! Altgediente erklären uns, dass es bei der Weltpolitik doch nicht um Menschenrechte gehe, sondern um Interessen. So brutal, doch ganz normal!

 

Ein Kapitalismus gewährleiste doch eigentlich erst Demokratie, Freiheit und Menschenrechte. Aber für wen, frag ich den!

 

Feind ist immer der, der uns entgegentritt. Der eigensüchtig das Böse will. Er bemäntelt sich und ruft den Religionskrieg aus. Ein Anderer  spielt zuhaus‘ den Joker aus. Der Glaubenskrieger verspricht Glückseligkeit, wem durch Mord das Jenseits geöffnet wurde, das zu kennen mit Sicherheit versprochen wird. Ein Anderer bietet Weltwirtschaft und den Markt als Tempel an.

 

Wir aber, die wir uns alle Freiheit nehmen, treiben den Feinden die Menschen in die Arme, weil wir Arme und Verlorene in Kauf nehmen bei unserer Einkaufstour rund um die Welt. Weil uns gefällt, was Geld reichlich in unsere Taschen fließen lässt. Das ist die Pest, die grassiert. Was da passiert, das ist der Feind in uns! Doch bekämpfen wir die Opfer, die zu uns fliehen. Ihre Flucht haben auch wir bewirkt.

 

Bekämpfen wir besser den Feind in uns, auf dass wir wahrhaftig werden,  und es noch Hoffnung werde auf Erden.

 

(13. November 2015)

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Wie die Welt aussieht hängt von der Perspektive ab, aus der heraus man sie betrachtet. © Gerhard Falk