Die Gastgeber

 

 

Die letzten beiden Tage waren voller Sonne. Doch der Wind ist noch sehr kalt. Der Frühling setzt sich aber durch. Ganz langsam wird die Natur von einem zarten Hellgrün überzogen. Eben höre ich einen schönen Vers im Radio, der die Frühlingsstimmung sinnfällig beschreibt:

 

 

„Werden die Tannennadeln trocken

fallen sie vom Baum herab.

Oh Mädchen lasst euch locken,

auch eure Zeit ist knapp!“

(Insterburg & Co)

 

 

Ach ja, ab Montag ist Frau Wagner wieder aus dem Urlaub zurück. Frau Bauer kündigte mir am Freitag an, dass ihre Kollegin mich dann wieder übernimmt, sie müsse ja auch etwas zu tun haben. Da klang vielleicht etwas Konkurrenz durch. Na ja, es stimmt schon, sie ist bedeutend hübscher, freundlicher, und sie hat mich auch mit viel Sympathie umsorgt. Aber was fasele ich da? Wir haben doch ein rein balneologisches Verhältnis. Aber immerhin: ein Verhältnis! Das soll aber nichts heißen. Schluss jetzt!  

 

 

Draußen baut Herr Schubert zwei Strandkörbe auf dem Rasen auf. Er repariert sie für einen Bekannten, wie er mir erzählte. Sein Gips stört in dabei nicht. Hatte ich schon berichtet, dass er wegen eines gebrochenen Daumens an der rechten Hand mit dieser Zierde versehen ist? Früher war er bei der NVA. Seine Frau leitete ein Kindererholungsheim in Binz. Jetzt bekommt sie Rente, arbeitet aber noch stundenweise beim Fremdenverkehrsverein. In Gesprächen merkt man deutlich, dass sie wegen der Wende noch zwiespältig sind. Immer wieder sagt sie, seit der Wende ist dies jetzt so oder so, früher brauchten wir dies oder jenes nicht. Aber sie scheinen ganz zufrieden. Zwei neue Autos haben den 25 Jahre alten Wartburg abgelöst. „Er fährt aber immer noch“, bemerkt Herr Schubert nicht ohne Stolz. Strolch schaut dem Geschehen an den Strandkörben interessiert zu. Ich denke an unseren Berry und freue mich doch schon auf das Wiedersehen.

 

Nächstes Kapitel.

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Wie die Welt aussieht hängt von der Perspektive ab, aus der heraus man sie betrachtet. © Gerhard Falk